Philosophie und Ehtik

Philosphie/Ethik

Thesenpapier1: Wie sollen wir Technik verantworten?

In der Vergangenheit wurden Technologien eingeführt deren Aufgabe es war einen Lösungsansatz für ein bestimmtes Problem zu bieten. Die Risiken waren oftmals nicht bekannt. Jetzt geht es darum, den Blick zu schärfen und die Risiken zu zeigen. Und das möglichst bevor die Technologie den Markt erreicht. Hier setzt unser Team an. Wir sind eine Gruppe von Philosophiestudenten, die sich auf den Bereich der Technikphilosphie spezialisiert haben. Wir wollen das Arbeitsfeld der Philosophie/Ethik aufzeigen und auf die Gefahren sowie Risiken, die hinter dem biotechnologischen Wettbewerb stehen, hinweisen. Mittels dessen versuchen wir mithilfe eines Strukturmodells ethischer Urteilsbildung eine Einschätzung abzugeben.

Das Problem, dem sich unser Team stellt, ist ein gesellschaftliches. Jährlich werden ca. 40 Mio. Tonnen Polyethylenterephtalat (PET) von der Kunstoffindustrie produziert. Durch unsachgemäße Entsorgung gelangen täglich große Mengen in die Ozeane und Weltmeere.Nur wenige sind sich der Gefahren des „praktischen“ Kunststoffes bewusst. Durch Sonneneinstrahlung, Salzwasser und Reibung werden makroskopische Teile in kleine Partikel von wenigen Mikro – bis Nanometern Durchmesser zerkleinert, die ihrerseits als Anlagerungsfläche für Toxine unterschiedlichster Art dienen können. Während Makropartikel wie Plastikflaschen (theoretisch) mit bloßer Hand und mechanischen Verfahren aus dem Meer entfernt werden können bleibt die Entfernung der Mikropartikel aus der Umwelt ein bislang nicht zu lösendes Problem. Derzeit ist kein Mikroorganismus bekannt, der die inerten Kunststoffteile abbauen kann.

Das Team der TU Darmstadt versucht durch biotechnologische Verfahren einen Mikroorganismus zu bauen, der diese Eigenschaft besitzt. Und mehr noch:

Eine biologische Maschine soll konstruiert werden deren Biologie plan-­‐ und berechenbar ist. Die Reinigung der Natur wird angestrebt sowie eine Vermeidung des Anlagerns des PETs in der Nahrungskette. Letztlich soll ein Recycling der Rohstoffe erzielt werden. Eine der zu klärenden Fragen wäre, ob das Endergebnis dieses Projekts in einem vernünftigen wechselseitigen Verhältnis zu Mensch und Gesellschaft steht und ob die Balance zwischen der Dynamik des Fortschritts, der Eigendynamik der Natur und den Ansprüchen von Menschen und Gesellschaft nicht gefährdet wird.

Diese Frage versuchen wir mithilfe des Strukturmodells zur ethischen Urteilsbildung zu beantworten. Die Funktion des Strukturmodells besteht darin ethische Urteilsbildungsprozesse zu organisieren sowie möglichst viele Diskursbereiche erörterbar zu machen, die für die Urteilsbildung von Bedeutung sind. Unterteilt sind die Diskursbereiche in Ziele und Mittel. Wir werden so vorgehen wie es die Diskursbereiche vorgeben. Zunächst wird das Problem beschrieben sowie ein Ziel formuliert. Es folgt die Bennenung der Mittel zur Erreichung des Zieles. Der dritte Diskursbereich widmet sich dann der Güterabwägung und damit verbunden der Erwartung von Nebenfolgen. Letztlich erfolgt eine Entscheidung anhand zweier Modelle. Das Tutioristische Modell begrenzt das Risiko und verlangt sichere Gründe um die Handlung verantworten zu können. Es wird auch das Sicherheitsmodell genannt. Aufgrund der Vorsicht kann die Weiterentwicklung der Forschung behindert wenn nicht sogar verhindert werden. Das Probabilistische Modell nennt wahrscheinliche Gründe für die eigene Handlungspräferenz. Der Wert der Freiheit wird hoch angesetzt. Es ist das Wagnismodell.

Das Strukturmodell kann zu einer Kontrolle der Eigendynamik der Forschungs – und Entwicklungsprozesse führen. Im Sinne der Nachhaltigkeit würde das bedeuten Erhaltung, Entfaltung und Gestaltung zu vereinen. Als Weg zur Gestaltung von Forschung undTechnologie kann Prospektives Technology Assessment angesehen werden. Es versucht die Potenziale betrachteter wissenschaftlich-­‐technischer Entwicklungen systematisch zu sichten und zu analysieren. Wichtig dabei sind die erklärten oder möglichen Zielsetzungen und die bereits absehbaren, angestrebten Wirkungen. Einen Rahmen dessen bilden die benennbaren Werthorizonte der Akteure. Eine der zentralen Fragen der Beurteilung von Technologien ist beispielsweise wie verantwortliches Verhalten innerhalb beziehungsweise hinsichtlich von Prozessen der Forschung und Technik individuell und gesellschaftlich möglich ist. Dadurch soll ein frühzeitiges reagieren auf ambivalente Technikentwicklung möglich werden. Damit stellt die Prospektive Technikfolgenabschätzung nicht nur ein Vermittlungsinstrument zwischen Forschung und Gesellschaft dar sondern dient auch der Reflexion sowie Revision.

1Referenzen:

  • Bender, Wolfgang: Ein Strukturmodell ethischer Urteilsbildung, 2008.
  • Liebert, Wolfgang: Vorlesung vom 03.07.2012 „Prospektives Technology Assessment“, IANUS.
  • „Eingehende Forschung und intensive wissenschaftliche Arbeit haben für die Menschheit oft tragische Folgen gehabt, einerseits führten sie zu Erfindungen, die den Menschen von erschöpfender körperlicher Arbeit befreiten und sein Leben erleichterten und bereicherten, andererseits aber brachten sie eine tiefe Rastlosigkeit in sein Leben, sie machten ihn zum Sklaven seiner technischen Umwelt und schufen – das schlimmste Verhängnis – die Mittel zu seiner eigenen Massenvernichtung.“ Albert Einstein (1948)
  • „Ambivalenz nennen wir die Erfahrung, daß wir, gerade wenn wir etwas Angestrebtes erreicht oder verwirklicht haben, entdecken müssen, daß es eigentlich nicht das Angestrebte, sondern vielleicht sogar dessen Verhinderung war. (…) Wir sehen es im technischen Fortschritt, der Sicherheit und Wohlstand schaffen soll und Massenvernichtungswaffen und Umweltzerstörung erzeugt.“ Carl Friedrich von Weizsäcker (1977)